Treffpunkt Caffè-Bar – ja, aber zu Hause!

 

 

 

Warum schaut mich der nette Barista hinterm Tresen des Caffè Greco in Rom so mitleidig an? Ich habe doch nur "un espresso" bestellt: Perfekt italienisch, wie sich das für einen weltläufigen Metropolitan gehört. Eben nicht. Denn genau diese zwei kleinen Worte verraten den Ignoranten.

Den dunklen, fast schwarzen Rohstoff, der hierzulande als Espresso Kultstatus genießt, nennt der Italiener schlicht und ergreifend Caffè! "Espresso" heißt dieser Caffè deshalb, weil er ursprünglich – vor Erfindung der Kaffeemaschine – nur auf ausdrücklichen Wunsch des Gastes frisch aufgebrüht wurde. So, wie das übrigens die Türken noch heute tun: Stark geröstete und fein gemahlene Bohnen, dazu Zucker (pro Tässchen jeweils ein Kaffeelöffel) werden mit kaltem Wasser aufgesetzt und langsam unter Rühren erhitzt. Wenn der Kaffee kocht, wird etwas Schaum in die Tassen gefüllt. Noch einmal kurz aufkochen, fertig!

Zurück zum Caffè. Je weicher das Wasser, umso feiner das Aroma und umso schöner die "Crema" des Espresso – jener zarte Schaum, der sich auf der Oberfläche des Getränkes bildet. Dass er als Digestif selbst Sensibelchen mit empfindlichem Magen gut bekommt, liegt übrigens an der niedrigen Temperatur und der Dauer des Brühvorgangs.

Da das Espresso-Mehl nur etwa 30 Sekunden mit dem ca. 90º Celsius heißen Wasser in Berührung kommt, gelangen weniger Koffein und andere Bitterstoffe in den Extrakt als bei Filterkaffee.

Neben Espresso schätzt der Italiener (oder Italophile) seinen morgendlichen Cappuccino – eigentlich nur ein Caffè, der in eine große Tasse kommt und mit heißer, geschäumter Milch aufgefüllt wird.

Weitere, typisch italienische Varianten des kleinen Schwarzen gefällig? "Caffè Macchiato" ist ein Espresso mit ein paar Tropfen frischer Milch. Oder umgekehrt: "Latte Macchiato" besteht aus viel heißer Milch und ein paar Tropfen Espresso. Oder ein "Ristretto" – von Hartgesottenen bevorzugt, die ihren Caffè besonders konzentriert lieben. Für "Caffè Lungo" wird dagegen mehr Wasser pro Kaffeeportion genommen, während man beim "Doppio" Wasser und Kaffeemenge einfach verdoppelt. Zum ersten Frühstück trinken die Italiener ihren Caffè allerdings gern als "Caffè Latte", bei dem ein Espresso serviert wird und dazu heiße, aufgeschäumte Milch. Und wenn man seinen Espresso mit einem Schuss Grappa "korrigiert", ist es ein "Corretto". Capito?

Wie Sie Ihren Caffè am liebsten zubereiten, bleibt natürlich Ihnen selbst überlassen! Zum Beispiel Cappuccino mit Schlagsahne-Häubchen (in Österreich bekannt und beliebt als "Wiener Melange"). Für den Puristen eigentlich ein Sakrileg – aber Lucino Visconti hat ihn nur mit Schlag getrunken, ebenso der letzte italienische König Vittorio Emanuele III.

Eros Ramazotti krönt seinen Milchschaum mit Vanille-Zucker, Isabella Rossellini streut gern ein wenig Ovomaltine darüber und Luciano Pavarotti hat am liebsten geraspelte Schokolade – und die möglichst dick. Da ist mir doch die klassische Variante lieber, die Giorgio Armani bevorzugt. "Ein Drittel Espresso, zwei Drittel aufgeschäumte Milch, Schluss. Alles andere sind Spielereien, die nur ablenken" – so meine italienische Freundin Flavia Rizzoli, die als ausgewiesene Caffè- Spezialistin gilt.

■ Zurück zur Übersichtsseite "Friends-Tipps"